Probleme mit neuen Baumsorten

Im Zuge der Bewertung von einigen neuen Baumsorten fällt es immer häufiger auf, daß einige dieser (z.B. bei Acer platanoides ´Emerald Queen´ oder auch ´Cleveland´), die sich jetzt im fünfzehnten/zwanzigsten Jahr am Standort befinden, große baumstatische Probleme aufzeigen. Sie haben zwieselige Vergabelungszonen mit eingewachsener Rinde und sind damit nur noch beschränkt bruchsicher. Eine weitere negative Eigenschaft zeigt sich in Form eines sehr starken Längenwachstums der Kronentriebe erster Ordnung, dieses führt zu einem Überwachsen und damit auch zu einem allmählichem Absterben des Terminaltriebes, eine Entnahme dieses Baumes ist dann die unausbleibliche Folge.

Eine baumpflegerische Behandlung (z.B. Erziehungsschnitte) greift zeitlich nur beschränkt, die Probleme tauchen immer wieder auf, da diese Wuchseigenschaften genetisch bedingt sind. Alle Individuen einer Sorte sind Klone (Vermehrung über Veredlung oder durch Stecklinge) und haben somit alle die gleichen negativen Eigenschaften. Eine solche Baumpflege ist eigentlich nicht vertretbar.

Es wird leider selten bedacht, daß wir es bei Bäumen mit sehr langlebigen Holzgewächsen zu tun haben, die eigentlich schon älter werden sollten als eben mal zwanzig Jahre. Es darf einfach nicht sein, daß Bäume im zwanzigsten Standjahr zur Herstellung der Bruchsicherheit oder auch aus Baumerhaltungsgründen aufwendig baumpflegerisch behandelt oder gar gefällt werden müssen. Und dieses etwa nicht, weil Kronenerziehungsschnitte versäumt worden sind. Sondern letztlich nur, weil morphologische Probleme (wie z.B. Aufbau des Kronengerüstes, Verzweigungsformen, Anbindungen der Kronenäste erster Ordnung) zum Zeitpunkt der Pflanzung nicht oder zu wenig bekannt waren oder auch nicht ausreichend beachtet worden sind.

Bei der Beurteilung von Baumarten/-sorten ist es somit außerordentlich wichtig, daß nicht nur auf die baumphysiologischen (z.B. Standortansprüche) oder die gestalterischen/ räumlichen (Straße/Garten/Park), sondern genauso auf die baumstatischen Aspekte (terminaler Aufbau, Art der Vergabelung) und die damit verbundenen Probleme gelegt werden muß. Und dieses nicht nur bezogen auf die Jugend- und Aufbauphase, sondern gleichwohl (ganz wichtig!), auf die sich daran anschließenden, mehr generativen Lebensabschnitte und damit eigentlich auf die Abschnitte, die wir brauchen und die wir uns wünschen (wir brauchen ältere und auch alte Bäume).

Es ist nicht nur sehr schade, sondern auch sehr bedenklich, daß die vielen Erkenntnisse, die während der letzten Jahre auf dem Gebiet der Baumpflege gewonnen worden sind, sowenig Zugang zu einer Art „vorbeugende Baumpflege“ gefunden haben. Viel konsequenter sollten die Erfahrungen aus dem Baumpflegebereich des schon älteren Baumes einfließen bei der Arten- und Sortenwahl, der Heranzucht und auch in der weiteren Jungbaumpflege.

zwieselige Gabelzone mit "überwachsender Terminale"

zwieselige, bruchgefährdete Gabelzone, Norderstedt

kritische Gabelzone an einem 15-jährigem Spitzhorn

längs aufgeschnittene, zwieselige Gabelzone